2[4]
Die Moral der Ausgewählten oder die freie Moral.
Wir als die Erhalter des Lebens.
Unvermeidlich entstehend die Verachtung und der Haß gegen das Leben. Buddhismus. Die europäische Thatkraft wird zum Massen-Selbstmord treiben. Dazu: meine Theorie der Wiederkunft als furchtbarste Beschwerung.
Wenn wir nicht uns selber erhalten, geht Alles zu Ende. Uns selber durch eine Organisation.
Die Freunde des Lebens.
Nihilismus als kleines Vorspiel.
Unmöglichkeit der Philosophie.
Wie der Buddhismus unproduktiv und gut macht, so wird auch Europa unter seinem Einfluß: müde!
Die Guten, das ist die Ermüdung.
Die Versöhnung, das ist die Ermüdung.
Die Moral, das ist die Ermüdung.
Die guten Sitten (z.B. Ehe) das ist die Ermüdung.
Gegen die Idealisten.
2[5]
Das, was kommt.
Das eigentliche Streben ins Nichts.
Kriege über das Princip von Besser-Nichtsein-als-Sein.
(A)
Erste Consequenz der Moral: das Leben ist zu verneinen.
Letzte Consequenz der Moral = die Moral selber ist zu verneinen.
(B)
Also: fällt die erste Consequenz dahin
Befreiung der Selbstsucht,
Befreiung des Bösen,
Befreiung des Individuums.
Die neuen Guten („ich will“) und die alten Guten („ich soll“).
Befreiung der Kunst als Abweisung der unbedingten Erkenntniß. Lob der Lüge.
Rückgewinnung der Religion.
(C)
Durch alle diese Befreiung wächst der Reiz des Lebens. Seine innerste Verneinung, die moralische, ist beseitigt. — Damit Anfang vom Untergange. Die Nothwendigkeit der Barbarei, wohin z.B. auch die Religion gehört. Die Menschheit muß in Cyklen leben, einzige Dauerform. Nicht die Cultur möglichst lange, sondern möglichst kurz und hoch. — Wir im Mittage: Epoche.
(D)
Was bestimmt die Höhe der Höhen, in der Geschichte der Cultur? Der Augenblick, wo der Reiz am größten ist. Gemessen daran, daß der mächtigste Gedanke ertragen, ja geliebt wird.
2[7]
Schlange, sprach Zarathustra, du bist das klügste Thier unter der Sonne — du wirst wissen was ein Herz stärkt — mein kluges Herz — ich weiß es nicht. Und du Adler, du bist das stolzeste Thier unter der Sonne, nimm das Herz und trage es dorthin, wohin es verlangen wird — das stolze Herz — ich weiß es nicht.
2[9]
Und kündet mir doch ihr Thiere: Steht schon die Sonne im Mittag? Ringelt sich schon die Schlange welche Ewigkeit heißt? Blind wird Zarathustra.
Mir gereicht Jegliches immer zum Tode. Wer will mein Schicksal sein? Ich liebe jedes Schicksal. Selig wird Zarathustra!
Nichts weiß mehr Zarathustra, nichts erräth mehr Zarathustra.